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Euer Unternehmenspodcast hat zu wenig Hörer? Gut. - Warum Downloads die falsche Metrik sind

  • Autorenbild: Jonas Zellner
    Jonas Zellner
  • 28. Juli
  • 5 Min. Lesezeit

Klingt erstmal komisch. Aber hört mir kurz zu.

Der häufigste Grund, warum Unternehmenspodcasts eingestellt werden, ist: “Die Zahlen stimmen nicht.” Man schaut auf die Downloads, vergleicht sich mit irgendwelchen True-Crime-Formaten und kommt zu dem Schluss, dass sich der Aufwand nicht lohnt.

Das Problem ist nicht der Podcast. Das Problem ist, dass ihr die falschen Zahlen anschaut.


Ihr seid kein Massenmedium. Und das ist der Punkt.

Ein Unternehmenspodcast soll nicht Millionen Leute erreichen. Er soll die richtigen Leute erreichen. Und die richtigen Leute sind: Eure Kunden. Eure Partner. Potenzielle Mitarbeiter. Leute, die in eurer Branche Entscheidungen treffen.


Wenn 200 Leute euren Podcast hören und 30 davon sind Entscheider in genau der Branche, die ihr bedient, dann ist das mehr wert als 10.000 Downloads von Leuten, die morgen nicht mehr wissen, wie eure Firma heißt.


Rechnen wir das mal durch. Ein Entscheider, der über euren Podcast auf euch aufmerksam wird und sechs Monate später einen Auftrag vergibt - was ist der wert? 5.000 Euro? 50.000? 500.000? Ein einziger Kunde, der über den Podcast kommt, kann die Produktionskosten für ein ganzes Jahr refinanzieren.

Jetzt rechne das gegen eine LinkedIn-Kampagne. Du zahlst 15-30 Euro pro Klick, der Nutzer liest vielleicht 10 Sekunden deinen Text und scrollt weiter. Beim Podcast hört dir jemand 30-45 Minuten zu. Freiwillig. Mit seiner vollen Aufmerksamkeit. Versuche dieses Level an Engagement mal mit einer Anzeige zu kaufen.



Was ein Unternehmenspodcast wirklich leisten soll

Downloads sind eine Zahl. Was dahinter passiert, ist das, was zählt. Und das lässt sich nicht in Spotify-Statistiken ablesen.


Vertrauen aufbauen


Wenn jemand 45 Minuten eurer Geschäftsführerin zuhört, wie sie über Branchenthemen spricht - offen, fachlich, ohne PR-Filter - dann entsteht ein Vertrauensverhältnis, das keine Broschüre und keine LinkedIn-Ad der Welt herstellen kann.


Vertrauen entsteht nicht durch Behauptungen.


Vertrauen entsteht durch Zeit. Und ein Podcast ist das einzige Format, bei dem dir jemand freiwillig eine Dreiviertelstunde seiner Zeit schenkt. Wenn du diese Zeit sinnvoll nutzt, bist du danach kein Fremder mehr. Du bist jemand, den man kennt. Und Menschen kaufen von Leuten, die sie kennen.


Expertise zeigen


Nicht behaupten, dass ihr Experten seid. Zeigen. Eine Stunde über ein Thema reden, das man wirklich versteht, ist der beste Beweis, den es gibt. Jeder kann auf seine Website schreiben “Wir sind führend in unserer Branche.” Im Podcast hört man in fünf Minuten, ob das stimmt oder nicht.


Die besten Unternehmenspodcasts, die ich kenne, behandeln ihre Hörer wie Kollegen. Sie reden nicht von oben herab, sie erklären nicht Basics, die jeder kennt. Sie teilen echte Einblicke, echte Herausforderungen und echte Lösungen. Das ist Content, den du nirgendwo anders bekommst - und genau deshalb hat er Wert.


Netzwerk stärken


Jeder Gast, den ihr einladet, wird zum Multiplikator. Der teilt die Folge, redet darüber, bringt euch mit neuen Leuten in Kontakt. Das ist kein Nebeneffekt, das ist ein Hauptgrund.


Ich sehe das bei meinen eigenen Kunden: Die Gäste, die in ihrem Podcast waren, werden zu Partnern, Kunden oder Botschaftern. Das Gespräch im Podcast ist der Anfang einer Beziehung, nicht das Ende. Und diese Beziehungen sind in keiner Download-Statistik sichtbar.


Ein CEO, den du als Gast einlädst, wird danach anders über dein Unternehmen reden. Nicht weil er bezahlt wird, sondern weil er eine positive Erfahrung gemacht hat. Weil er gesehen hat, wie professionell ihr arbeitet. Weil er sich wertgeschätzt gefühlt hat. Das ist Networking auf einem Level, das kein LinkedIn-Connect der Welt ersetzt.



Recruiting


Ich sehe das immer häufiger: Unternehmen, die ihren Podcast gezielt nutzen, um zu zeigen, wie es bei ihnen aussieht. Wie die Leute ticken, wofür die Firma steht, wie der Arbeitsalltag wirklich ist. Kein Karriere-Video mit Stock-Footage und Corporate-Sprech, sondern echte Gespräche mit echten Menschen.


Ein Bewerber, der vor dem Vorstellungsgespräch drei Folgen eures Podcasts gehört hat, weiß mehr über eure Unternehmenskultur als einer, der die “Über uns”-Seite gelesen hat. Er weiß, wie die Geschäftsführung kommuniziert. Er kennt die Themen, die euch bewegen. Er kann im Gespräch darauf eingehen. Und er hat schon entschieden, ob er zu euch passt - bevor er den Fuß in euer Büro setzt.


Die Time-to-Hire sinkt. Die Qualität der Bewerbungen steigt. Und die Retention auch, weil die Leute wissen, worauf sie sich einlassen.


Langzeit-Content


Eine Podcastfolge arbeitet für euch weiter. Wochen, Monate, teilweise Jahre. Jemand sucht nach einem bestimmten Thema, findet eure Folge, hört rein und hat euch auf dem Schirm. Das macht kein Social-Media-Post, der nach 48 Stunden tot ist.


Wenn ihr die Folgen transkribiert und auf eure Website stellt, werden sie von Google indexiert. Jede Episode wird zu einer SEO-Seite mit dutzenden Long-Tail-Keywords, die euch organischen Traffic bringen. Nicht morgen, aber über Monate und Jahre akkumuliert sich das zu einem ernsthaften Traffic-Kanal.


Ich habe Kunden, deren älteste Podcast-Folgen nach zwei Jahren immer noch wöchentlich aufgerufen werden. Versuch das mal mit einem Instagram-Post.

Die richtigen KPIs für einen Unternehmenspodcast

Wenn Downloads die falsche Metrik sind - was ist die richtige? Hier sind die KPIs, die tatsächlich etwas über den Erfolg eures Podcasts aussagen.



Completion Rate. Wie viel Prozent einer Episode wird durchschnittlich gehört? Spotify und Apple zeigen das. Unter 50 Prozent: Euer Content hält nicht, was der Titel verspricht. Über 70 Prozent: Ihr trefft genau das, was eure Hörer hören wollen. Diese Zahl sagt mehr über die Qualität eures Podcasts aus als die absolute Hörerzahl.


Qualifizierte Gespräche. Wie viele Gespräche, Anfragen oder Kontakte sind direkt oder indirekt über den Podcast entstanden? Fragt eure neuen Kunden: Wie bist du auf uns aufmerksam geworden? Wenn die Antwort “über euren Podcast” ist, habt ihr euren ROI.

Gäste-Netzwerk. Wie viele der Gäste sind nach der Aufnahme zu Partnern, Kunden oder Empfehlern geworden? Zählt nicht die Episoden, zählt die Beziehungen.


Website-Traffic über Podcast. Richtet UTM-Links ein, die ihr in den Shownotes und im Gespräch nennt. Dann seht ihr in Google Analytics exakt, wie viel Traffic der Podcast auf eure Website bringt.


Bewerbungsqualität. Wenn ihr den Podcast für Recruiting nutzt: Erwähnen Bewerber den Podcast? Hat sich die Qualität der Bewerbungen verändert? Das ist schwer zu quantifizieren, aber in Gesprächen mit HR-Teams höre ich immer öfter: “Seit dem Podcast bewerben sich Leute, die wirklich zu uns passen.”

Brand Recall. Fragt eure Zielgruppe - auf Events, in Gesprächen, per Umfrage: Kennst du unseren Podcast? Hat er deine Wahrnehmung verändert? Das ist qualitativ, aber es ist die ehrlichste Antwort, die ihr bekommen könnt.


Und wenn wirklich nichts passiert?


Mal angenommen, ihr messt all das und die Antwort auf alles ist: nichts. Keine Gespräche, keine Kontakte, keine Bewerber, kein Traffic. Dann liegt das Problem nicht an den Hörerzahlen. Dann liegt es an einem von zwei Dingen.


Entweder am Format. Euer Podcast erreicht die falschen Leute, weil die Themen nicht zu eurer Zielgruppe passen. Ein Mittelständler, der über “New Work Trends” redet, wird nicht die Einkäufer erreichen, die seine Produkte kaufen sollen. Das Format muss auf die Zielgruppe zugeschnitten sein, nicht auf das, was intern Spaß macht.


Oder an der Distribution. Euer Podcast ist gut, aber niemand weiß davon. Keine Social-Media-Clips, kein Newsletter, keine Promotion. Der Podcast existiert in einem Vakuum. Und im Vakuum hört dich niemand.

Beides kann man fixen. Ohne den Podcast einzustellen. Ohne von vorne anzufangen. Manchmal reicht eine Kurskorrektur beim Thema. Manchmal reicht es, endlich die Social-Media-Clips zu schneiden, die den Podcast sichtbar machen.


Fazit


Bevor ihr euren Podcast einstellt, weil die Downloadzahlen nicht aussehen wie bei Joe Rogan: Fragt euch, was der Podcast wirklich für euer Business getan hat. Welche Gespräche sind daraus entstanden. Welche Kontakte. Welche Kunden haben euch darauf angesprochen. Wer sich wegen des Podcasts beworben hat.


200 Hörer, die eure Kunden, Partner und zukünftigen Mitarbeiter sind, schlagen 10.000 Hörer, die euren Firmennamen morgen vergessen haben. Jedes Mal.

Euer Podcast hat zu wenig Hörer? Vielleicht. Aber vielleicht hat er genau die richtigen.


Ihr wollt euren Unternehmenspodcast auf den Prüfstand stellen? Schreibt uns. Manchmal reicht ein Gespräch, um zu sehen, was fehlt - und was euer Podcast eigentlich schon leistet, ohne dass ihr es messt.

 
 
 

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