Shure SM7B für Podcast
- Jonas Zellner
- 13. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Shure SM7B im Podcast-Einsatz: Setup, Einstellungen und Alternativen

Das Shure SM7B ist das meistfotografierte Mikrofon der Podcast-Welt. Joe Rogan nutzt es, fast jeder große YouTube-Podcaster nutzt es, und wenn du "Podcast Mikrofon" googelst, siehst du es auf jedem zweiten Bild. Die Frage ist berechtigt: Ist der Hype gerechtfertigt? Kurze Antwort: Ja, größtenteils. Aber es gibt Dinge, die dir keiner erzählt.
Wir haben 16 SM7Bs im Studio im Einsatz. Jeden Tag. Ich kenne dieses Mikrofon in- und auswendig. Hier kommt der ehrliche Guide.
Warum das SM7B so beliebt ist
Das SM7B ist ein dynamisches Mikrofon mit Nierencharakteristik. Das bedeutet: Es nimmt hauptsächlich auf, was direkt davor ist, und blendet Umgebungsgeräusche weitgehend aus. Für Podcast-Aufnahmen ist das perfekt, weil du keinen schalltoten Raum brauchst - die Niere ignoriert den Großteil des Raumhalls.
Der Klang ist warm, voll und sehr schmeichelhaft für Stimmen. Egal ob tiefe Männerstimme oder hohe Frauenstimme - das SM7B macht sie alle gut. Der Nahbesprechungseffekt verstärkt die Bässe, wenn du nah rangehst, was den typischen "Radio-Sound" erzeugt, den du von professionellen Podcasts kennst.
Dazu kommt die Robustheit. Das Ding ist quasi unzerstörbar. Wir haben SM7Bs, die seit Jahren im Dauereinsatz sind und immer noch einwandfrei funktionieren. Kein Plastik, kein Firlefanz - massives Metall.

Das Gain-Problem - und wie du es löst
Hier kommt der Teil, den die meisten SM7B-Reviews unterschlagen: Dieses Mikrofon braucht viel Gain. Der Output-Level ist niedrig - deutlich niedriger als bei den meisten anderen Podcast-Mikrofonen. Wenn dein Audio-Interface nicht genug Vorverstärkung liefert, klingt die Aufnahme dünn, rauschig und leblos.
Die Lösung ist einfach, kostet aber extra: Ein Inline-Preamp wie der Cloudlifter CL-1 oder der Triton Audio FetHead. Diese kleinen Geräte sitzen zwischen Mikrofon und Interface und liefern 25-28 dB zusätzlichen Gain. Damit arbeitet das SM7B mit praktisch jedem Interface sauber.
Alternativ brauchst du ein Interface mit starken Preamps. Der Sound Devices 833, den wir im Studio nutzen, hat kein Problem damit. Auch das Universal Audio Apollo oder das Focusrite Scarlett 4i4 (3rd Gen) liefern genug Gain. Die günstigeren Interfaces wie das Focusrite Scarlett Solo kommen allerdings an ihre Grenzen.
Faustformel: Dein Interface braucht mindestens 60 dB Gain für das SM7B. Besser sind 65-70 dB.
Die richtigen Einstellungen
Am SM7B selbst gibt es zwei Schalter auf der Rückseite:
Der Bass-Rolloff-Schalter reduziert tiefe Frequenzen. Schalte ihn ein, wenn du Probleme mit Trittschall, Brummen oder Dröhnen hast. In den meisten Podcast-Situationen empfehle ich: einschalten. Das räumt den unteren Frequenzbereich auf, ohne die Stimme dünn klingen zu lassen.
Der Presence-Boost hebt die oberen Mitten an. Das kann die Sprachverständlichkeit verbessern, macht die Stimme aber auch etwas schärfer. Für tiefe Stimmen oft hilfreich, für ohnehin helle oder scharfe Stimmen eher abschalten.
Abstand zum Mikrofon: 10-15 cm ist der Sweet Spot. Näher als 5 cm bekommst du zu viel Nahbesprechungseffekt (dumpf, basslastig). Weiter als 20 cm verlierst du den intimen Podcast-Sound und fängst mehr Raum ein.
SM7B Alternativen: Was taugt sonst noch?
Das SM7B ist nicht für jeden die richtige Wahl. Hier sind Alternativen, die wir getestet haben:
Das Rode PodMic (ca. 100 Euro) ist für den Preis absurd gut. Es braucht weniger Gain als das SM7B und klingt für 70% der Anwendungen fast genauso gut. Wenn dein Budget begrenzt ist: Kauf das PodMic und investier den Rest in Akustik oder Beleuchtung.
Das Electro-Voice RE20 (ca. 450 Euro) ist die Broadcast-Legende. Weniger Nahbesprechungseffekt als das SM7B, dadurch verzeiht es Abstandsänderungen besser. Ideal, wenn deine Gäste nicht stillsitzen können.
Das Shure SM7dB (ca. 500 Euro) ist die neuere Version mit eingebautem Preamp. Das löst das Gain-Problem komplett - du brauchst keinen Cloudlifter und kein teures Interface. Wenn du heute neu kaufst und das Budget hast: Nimm das SM7dB statt dem SM7B.
Für kontrollierte Studio-Umgebungen sind Kondensatormikrofone wie das Schoeps CMC 6 oder das Neumann TLM 103 eine andere Liga. Mehr Detail, mehr Luftigkeit, transparenterer Klang. Aber sie brauchen einen akustisch behandelten Raum - in unbehandelten Räumen klingen sie schnell hallig.
Aktuell arbeiten wir seit längerem an einer Alternative aus beiden Welten, bleibt dafür auf jeden Fall am Ball was unsere Posts und Blogbeiträge betrifft.

SM7B richtig in der Post-Production behandeln
Auch mit dem besten Mikrofon brauchst du minimale Nachbearbeitung:
Ein Hochpassfilter bei 80 Hz entfernt tieffrequentes Rumpeln, das du im Kopfhörer vielleicht nicht hörst, aber auf Boxen oder AirPods nervt.
Ein leichter Kompressor (Ratio 3:1, Threshold so dass er 3-6 dB reduziert) gleicht Lautstärkeunterschiede aus. Das SM7B hat eine relativ gleichmäßige Dynamik, aber Kompression macht den Podcast konsistenter.
Ein De-Esser bei 5-8 kHz zähmt scharfe S-Laute, die das SM7B manchmal betont.
Ein Limiter am Ende der Kette verhindert Clipping bei lauten Stellen.
Diese vier Plugins in dieser Reihenfolge - Hochpass, Kompressor, De-Esser, Limiter - reichen für 95% aller Podcast-Aufnahmen.
Fazit
Das Shure SM7B ist nicht ohne Grund der Industriestandard. Es klingt hervorragend, ist robust und funktioniert in nahezu jeder Umgebung. Das Gain-Problem ist real, aber mit einem Cloudlifter oder einem ordentlichen Interface schnell gelöst.
Ist es das beste Podcast-Mikrofon? Für die meisten Situationen: ja. Aber das Rode PodMic für ein Drittel des Preises und das SM7dB mit eingebautem Preamp sind starke Alternativen, die du auf dem Schirm haben solltest.
Im Redbox Studio kannst du das SM7B und andere Broadcast-Mikrofone in einer professionellen Akustik-Umgebung testen. Buch eine Session und hör den Unterschied selbst.




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