UnifyDrive UP6 im Studio-Einsatz - Ehrliches Review aus der Podcast-Produktion
- Jonas Zellner
- 15. Apr.
- 5 Min. Lesezeit

UnifyDrive UP6 Review: Das beste nicht perfekte Speichersystem für Videographen
Auf meinem Schreibtisch lagen 20 externe SSDs. LaCie, Samsung, kreuz und quer. Jede mit einem anderen Projekt, einem anderen Kunden, einem anderen Datum. Jede mit einem eigenen Kabel. Jede mit der Frage: Auf welcher war nochmal das Material vom Lacoste-Dreh?
Das UnifyDrive UP6 hat dieses Chaos beendet. Fast komplett. Bis auf eine Thunderbolt-SSD, die ich für Editing on the go behalte, weil es unterwegs einfach praktischer ist, eine einzelne SSD an den Laptop zu stecken als ein ganzes NAS-System mitzunehmen.
Aber "fast komplett" ist auch die ehrliche Zusammenfassung dieses Geräts. Die Hardware ist hervorragend. Die Software hat noch Baustellen.
Was das Ding ist
Falls du das UP6 nicht kennst: Es ist ein mobiles NAS mit eingebautem Touchscreen, Akku und Intel Core Ultra 5 Prozessor. Sechs M.2 SSD-Slots, bis zu 48 TB Speicher, Thunderbolt 4, 10 Gigabit Ethernet, Wi-Fi 6, SD- und CFexpress-Kartenslots. In einem Gehäuse, das kleiner ist als ein iPad.
Für ein Podcast- und Video-Studio löst es ein konkretes Problem: Zentraler Speicher, auf den ich über Thunderbolt mit voller Geschwindigkeit zugreife, der gleichzeitig als Backup dient und von dem ich Speicherkarten direkt einlesen kann - ohne Laptop, ohne Adapter, ohne Umwege.
Die Idee dahinter ist brillant. Ein ganzer DIT-Wagen in einem Gerät, das in den Rucksack passt. Und in der Praxis funktioniert das auch - mit Einschränkungen.

Was richtig gut funktioniert
Die Thunderbolt-4-Anbindung ist schnell. Richtig schnell. Wenn das UP6 per Thunderbolt am Rechner hängt, arbeite ich direkt vom NAS - DaVinci Resolve Timeline mit Multicam-Material, 8K R3D-Dateien, Farbkorrektur. Die Transferraten sind hoch genug, dass der Workflow sich nicht anders anfühlt als von einer lokalen SSD.
Das Card Backup ohne Computer. Speicherkarte rein, auf dem Touchscreen "PlugBackup" antippen, fertig. Nach einem Drehtag mit drei RED-Kameras schiebe ich die CFexpress-Karten nacheinander rein und alles wird gesichert, ohne dass ich den Laptop aufklappen muss. Das spart am Ende eines langen Drehtags 30 Minuten.
Die Konsolidierung. 20 SSDs werden zu einem Gerät. Alles an einem Ort, durchsuchbar, organisiert. Kein "auf welcher Platte war das nochmal". Das allein hat sich für mich schon gelohnt.
Das Gehäuse fühlt sich wertig an. Metall, kompakt, solide. Kein billiger Plastik-Eindruck, keine klappernden Teile. In einer Tasche mit Kamera-Equipment fühlt es sich nicht wie ein Fremdkörper an.
Wo es noch hakt
Und jetzt die Punkte, über die niemand in den gesponserten Reviews spricht.
Das WLAN disconnected sich. Nicht nach Stunden, sondern nach Minuten. Das Gerät verliert die Wi-Fi-Verbindung regelmäßig von selbst und muss dann komplett neu gestartet werden, um sich wieder zu verbinden. Für ein Gerät, das als Netzwerkspeicher beworben wird, ist das ein fundamentales Problem. In meinem Studio-Alltag, wo ich über WLAN auf Dateien zugreifen will, ohne jedes Mal ein Thunderbolt-Kabel anzustecken, macht mich das wahnsinnig. Es macht das WLAN für mich aktuell unbrauchbar.
Das IP-Management ist zu einfach gehalten. Wenn du das UP6 per Thunderbolt anschließt, bekommst du eine neue IP-Adresse. Jedes Mal. Es gibt keine Möglichkeit, eine statische IP für die Thunderbolt-Verbindung festzulegen - oder wenn doch, dann ist sie so versteckt, dass ich sie nicht gefunden habe. In der Praxis heißt das: Du musst jedes Mal die aktuelle IP nachschauen und in deinem System anpassen. Das klingt nach einer Kleinigkeit, nervt aber im Alltag, wenn du einfach schnell ans Material willst.
Kein File Management ohne App. Das Touchscreen-Interface zeigt dir deine Dateien, du kannst sie ansehen und Backups starten. Aber du kannst nichts kopieren, nichts verschieben, nichts organisieren. Wenn ich eine externe Festplatte anschließe und Daten auf das UP6 übertragen will, brauche ich dafür die mobile App oder den Browser-Client. Auf dem 6-Zoll-Touchscreen selbst gibt es keine Kopierfunktion. Für ein Gerät, das sich als "PC-free" bewirbt, ist das eine merkwürdige Lücke.
Das Backup kopiert immer die komplette Karte. Wenn ich eine CFexpress-Karte einlege, die 2 TB groß ist und auf der noch Material vom letzten Dreh liegt, kopiert das System alles. Nicht nur die neuen Dateien, nicht nur ausgewählte Ordner - alles. Bei großen Karten, auf denen ich bewusst ältere Sicherungen lasse, kostet das unnötig Zeit und Speicherplatz. Eine selektive Backup-Funktion - "nur neue Dateien kopieren" oder "nur ausgewählten Ordner kopieren" - fehlt komplett.

Warum ich es trotzdem behalte
Weil alle vier Probleme Software-Probleme sind. Kein einziges davon ist ein Hardware-Limit.
Das WLAN-Disconnect? Ein Firmware-Update kann das lösen. Statische IPs für Thunderbolt? Eine Einstellung in der nächsten Software-Version. File Management auf dem Touchscreen? Ein Software-Feature. Selektives Backup? Eine Checkbox in der Backup-Funktion.
Die Hardware-Basis des UP6 ist in einer anderen Liga als alles andere, was ich für Dateiverwaltung benutzt habe. Es ist kein vergleichbar mit einer externen SSD - das ist, als würdest du einen Rechner mit einer Festplatte vergleichen. Und es ist nicht vergleichbar mit einem klassischen NAS, das irgendwo im Schrank steht und über das Netzwerk kriecht. Das UP6 ist tragbar, hat Thunderbolt 4 mit direktem Zugriff in voller Geschwindigkeit, hat eingebaute Kartenleser, hat einen Akku, und hat genug Rechenleistung, um theoretisch als vollwertiger Arbeitsrechner zu dienen.
Diese Basis gibt es bei keinem anderen Gerät auf dem Markt. Die Software muss nur nachziehen.
Für wen es jetzt schon Sinn macht
Wenn du, wie ich, ein Studio betreibst und einen zentralen Speicher brauchst, auf den du per Thunderbolt mit voller Geschwindigkeit zugreifst: Ja. Der Workflow über Thunderbolt funktioniert zuverlässig und schnell.
Wenn du nach Drehtagen schnell Karten sichern willst, ohne einen Laptop auszupacken: Ja. Das Card Backup funktioniert.
Wenn du 20 SSDs in ein Gerät konsolidieren willst: Ja. Das war für mich der Hauptgrund, und er ist erfüllt.
Wenn du primär über WLAN auf das Gerät zugreifen willst: Warte. Bis das WLAN-Problem gelöst ist, würde ich es dafür nicht empfehlen.
Wenn du auf dem Touchscreen Dateien verwalten willst, ohne einen Laptop oder ein Handy daneben zu haben: Warte. Die Funktionalität ist noch nicht da.
Fazit
Das UnifyDrive UP6 ist das beste Stück Hardware für Dateiverwaltung, das ich je benutzt habe - eingepackt in Software, die noch nicht fertig ist. Die Hardware löst ein echtes Problem für jeden, der mit großen Datenmengen arbeitet. Die Software steht dem im Weg. Nicht in einer Art, die das Gerät unbrauchbar macht - aber in einer Art, die es davon abhält, so gut zu sein, wie es sein könnte.
Ich behalte es. Ich nutze es jeden Tag. Und ich bin überzeugt, dass die Software-Probleme gelöst werden. Aber im aktuellen Zustand ist es ein Gerät für Leute, die bereit sind, mit ein paar Ecken und Kanten zu leben - und die die Hardware-Basis zu schätzen wissen, die darunter liegt.
20 SSDs weniger auf dem Schreibtisch. Das allein war es wert.
Du hast Fragen zum UP6 im Studio-Einsatz oder zu unserem Daten-Workflow? Schreib uns - wir teilen gerne unsere Erfahrung.




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